Rückblick:

Die Kampagne „Nein zu RedBull! Für euch nur Marketing – Für uns Lebenssinn!“ ist ein Zusammenschluss verschiedener Ultrà- und Fangruppen. Gegründet wurde die Kampagne Ende Juli von Gruppen aus Karlsruhe, Kaiserslautern, Darmstadt, Braunschweig, Aue, München, Aalen, Heidenheim, Sandhausen und Ingolstadt.

Unser primäres Ziel war es, in der Saison 2014/2015 durch kreative und aufklärerische Aktionen im und um das Stadion auf die Problematik mit Vereinen wie RB Leipzig aufmerksam zu machen und eine kritische Öffentlichkeit zu schaffen, um einer Akzeptanz von RB auf Dauer entgegenzuwirken.

Die Durchführung eines ersten Aktionsspieltages unter dem bewusst provokanten Motto „Wir scheißen auf RedBull“ brachte die Kampagne schließlich in den Fokus der medialen Öffentlichkeit. Karlsruhe

Der Start RB Leipzigs in der 2. Bundesliga wurde in vielen Stadien durch das Hertha BSC - Werder Bremen 018vielfache Zeigen von Spruchbändern aufgegriffen.  Die Ablehnung des Projekts von RedBull fand einheitliche Zustimmung in den Fanszenen der 2. Liga.

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Bereits am 1. Spieltag musste der VfR Aalen in Leipzig antreten.  Die Fanszene des VfR Aalen boykottierte  das Auswärtsspiel in Leipzig. Die an der Kampagne beteiligten Gruppen solidarisierten sich mit den Aalener Fans.

Nach den ersten Spieltagen wHertha BSC - Werder Bremen 017urde klar, dass RB Leipzig die 2. Liga nur als Durchgangsstation zur 1. Bundesliga nutzt. Vielen Fangruppen aus der 1. Liga war diesMünchen_neinzurb bewusst und deshalb äußerten sie sich in den Stadien zum Thema RB Leipzig und solidarisierten sich mit der Kampagne.

Im November wurde dann ein zweiter Aktionsspieltag durchgeführt. Unter dem Motto „Rote Karte für RedBull“ (Platzverweis für RB) und „Wir pfeifen auf Red Bull“ wurden in vielen Stadien zum Einlaufen der Mannschaften rote Papptafeln hochgehalten. Zusätzlich wurde mit Anpfiff der Partie zwei Minuten lang mit Trillerpfeifen gepfiffen. Begleitet wurden die Aktionen jeweilig mit Spruchbändern.

Kurz vor Ende der Saison wurde bekannt, dass die DFL auf einer ihrer Versammlungen Solidarität mit RasenBallsport Leipzig  von den Vereinen forderte. Dem widersprachen mehrere Vereine – auch auf Druck durch die Fanszenen.

„Nein zu RB“ warb bei den Fanszenen für eine bundesweite und ligenübergreifende Spruchbandaktion gegen diese Solidarisierungsforderung der DFL. An den darauffolgenden Spieltagen wurden in vielen Stadien der 1. – 4. Liga „Keine Solidarität mit RB“ – Spruchbänder gezeigt. Gleichzeitig wandte sich die Kampagne an die Vereine und forderte diese auf, sich nicht mit RB Leipzig zu solidarisieren.

 

(Stand: September 2015)

 

Positionen und Forderungen:

Gegen wen richtet sich unser Protest?

Unser Protest richtet sich in erster Linie gegen Rasenballsport Leipzig. Der im Jahre 2009 von Red Bull gegründete Verein verkörpert in einem neuen Ausmaß zukünftige und bereits vorherrschende Tendenzen im Fußball. Unser Sport ist schon seit geraumer Zeit immer schärfer wirtschaftlichen Interessen ausgesetzt und entwickelt sich dabei zunehmend zum reinen Geschäft. Uns ist bewusst, dass dies im Sinne einer kapitalistischen Logik stattfindet, bei der Profit und Wirtschaftlichkeit Priorität haben und kaum noch aufzuhalten sind. Im Zuge dieser Kommerzialisierung des Profifußballs ist es nur logisch, dass Vereine wie RB Leipzig entstehen – sie sehen die Möglichkeiten, die das Geschäft „Fußballbundesliga“ birgt. Die damit einhergehende Ungleichheit bzw. Wettbewerbsverzerrung wird dadurch weiter forciert – scheinbar ganz im Sinne des Deutschen Fußballverbandes und der Deutschen Fußball-Liga. RB Leipzig wurde billigend in Kauf genommen – obwohl klar gegen verbandsrechtliche Regularien und Lizenzierungsrichtlinien verstoßen wurde.

So verstößt RB Leipzig z.B. gegen § 15 Abs. 2 der DFB-Satzung. Dort heißt es: „Änderungen, Ergänzungen oder Neugebungen von Vereinsnamen und Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung sind unzulässig“. Der Vereinsname ist nicht ohne Grund an RedBull angelehnt. Würde hier nicht im Sinne des Marketings gehandelt werden, so hätte man den Verein auch FC Leipzig oder ähnlich nennen können. Auch das Logo weist mit den zwei Bullen, trotz leichter Veränderungen im Zuge der Lizenzierung, immer noch eindeutige Merkmale des Firmenlogos von Red Bull auf – die allein dem Zwecke der Wiedererkennung und somit der Werbung dienen.

Des Weiteren verstößt RB Leipzig gegen § 4 Nr. 9 der Lizenzierungsordnung der DFL, welcher Vereine dazu verpflichtet, gewisse Mindestvoraussetzungen in Bezug auf die demokratische Mitbestimmung bei der Wahl der Vereinsführung einzuhalten. Laut § 6 Abs. 2 der Satzung von RB Leipzig dürfen nur 11 ordentliche Mitglieder den Vereinsvorstand und -vorsitz wählen. Darüber hinaus ist die Mitgliederstruktur von RB Leipzig ausschließend. Stimmberechtigtes, ordentliches Mitglied bei RB zu werden ist nicht möglich. Im Zuge der Lizenzauflagen hat Red Bull eine sogenannte Fördermitgliedschaft eingerichtet, die zwar nicht zu einer Wahlberechtigung bestimmt, aber andere „Vorteile“ bringen soll und in Bronze (100€/Jahr), Silber (500€/J.) und Gold (1000€/J.) erhältlich ist.

Aber nicht nur sportpolitisch bzw. ökonomisch betrachtet haben wir Vorbehalte gegenüber RB Leipzig, auch aus vereins- bzw. fanpolitischer Sicht gibt es einiges zu kritisieren. Mitglieder sind, wie oben erwähnt, nicht gewollt. Das ist vereinsrechtlich zwar gerade so in Ordnung, eine Partizipation oder eine demokratische Kultur im Verein sind dadurch jedoch nicht möglich. RedBull hat nicht nur 100 % des Kapitals in seinem Besitz, de facto haben sie auch die 100%ige Stimmmacht. RB Leipzig arbeitet – wie andere Vereine mittlerweile auch, nach der Logik eines wirtschaftlich aufgestellten Unternehmens. Fans werden als Kunden angesehen und der Stadionbesuch wird zum reinen Event, bei dem der Kunde möglichst viel Geld in Fanartikel und Verpflegung investieren soll. Fankultur und freie Kurven sind dabei nur hinderlich und sollen möglichst reguliert und unter Kontrolle gebracht werden.

RB Leipzig verkörpert dieses Prinzip in einer nie dagewesenen Qualität und steht für viele andere Vereine jetzt schon als Vorbild dar. Das ist für uns der entscheidende Punkt, weshalb sich unser Protest eben genau gegen diesen Verein richtet. Er polarisiert wie kein zweiter und ermöglicht eben auch genau dadurch zielgerichteten und beispielhaften Protest. An vielen Standorten unserer Profi- und Amateurligen gibt es Vorbehalte seitens von Vereinsführungen und Fans bzw. Vereinsmitgliedern gegen dieses Prinzip des reinen Fußballunternehmens, das alle fan- und fußballkulturellen Errungenschaften (Stehplätze, bezahlbare Karten, Anstoßzeiten) in Frage stellt. Wir sehen die Aufgabe diese Errungenschaften dauerhaft als Teil des Fußballs zu verteidigen, gemeinsam mit den Vereinen und Fans, die ebenfalls ein Interesse daran haben. Denn für viele Fans stellen eben genau die damit verbundenen Werte, den noch übrig geblieben Bezug zum heutigen Fußballgeschäft dar. Wir glauben, dass es einen gewissen Unterschied gibt zwischen Kapitalgesellschaften, die auf eine traditionsreiche und dadurch stark emotionalisierte Vergangenheit zurückblicken, und Vereinen, wie RB Leipzig, die zum Zweck der Profitmaximierung gegründet wurden. Genau der Bezug, der bei erstgenannten herstellbar ist, ist bei RB Leipzig nicht vorhanden. Die Vereinsgeschichte eines Red Bull Clubs wird auch in 50 Jahren noch keine qualitativen Merkmale von fan- und fußballkulturellen Errungenschaften und Werten beinhalten – schlicht und einfach weil dort kein Platz für Faninteressen vorhanden ist. Diese Sichtweise mag für viele verkürzt sein, für uns ist sie eine Mischung aus rein sachlichen bzw. rationalen wirtschaftlichen Erkenntnissen und emotionalen und irrationalen Beurteilungen. Für uns als Fans des Fußballs, wie wir ihn lieben, funktioniert diese Betrachtung – eine auf Rationalität basierende radikale Gesellschaftskritik kann an dieser Stelle aus verschiedenen Gründen gar nicht stattfinden.

Wir als Kampagne entziehen uns ebenfalls der Verantwortung, eine Antwort zu liefern, bis wann es noch akzeptabel ist, als Teil des heutigen Fußballs zu agieren. Dies muss jede Fanszene und jeder Fan für sich selbst entscheiden. Wir wissen nur, dass, solange es noch Möglichkeiten gibt, Protest in einem gewissen Rahmen zu äußern, solange müssen wir eben genau dies auch ausschöpfen. Wir als Kampagne stehen dabei in keiner Weise in einer Konkurrenz zu anderen Faninitiativen oder Bündnissen wie ProFans, B.A.F.F. etc. Wir sehen uns vielmehr als Ergänzung zu diesen, da wir uns konkret auf RB Leipzig – aus oben genannten Gründen – konzentrieren wollen.

Was wollen wir:

  • Die Kampagne will gemeinsame Aktionen gegen RB an so vielen Standorten wie möglich koordinieren und die Kritik an RB möglichst vielen Fußballfans nahebringen.
  • Die Kampagne will aufarbeiten, welche Lücken und Graubereiche in den Lizensierungsverfahren von RB genutzt wurden und sich dafür einsetzen, diese zu schließen.
  • Die Kampagne sieht in RB eine völlig neue Qualität der Kommerzialisierung des Fußballs, die sich von allem bisher bekannten signifikant abhebt.
  • Der Kampagne liegt der Minimalkonsens zu Grunde, das Modell RB abzulehnen. Wir können und wollen keine umfassende Kritik des modernen Fußballs liefern und auch nicht die Vereinshistorie aller Teilnehmer genau unter die Lupe nehmen. Ebenso spielt es für uns keine Rolle ob der Verein eines Teilnehmers bereits ausgegliedert wurde oder sich auf dem Weg dahin befindet. Uns geht es nur um RB.